Flecken auf der Rinde? Schnell handeln!

Seit einigen Jahren leiden immer mehr Bäume an einer neuartigen Erkrankung und die beiden trockenen Sommer haben dieser meist tödlichen Seuche Vorschub geleistet: PHYTOPHTORA

Phytophtora trägt ihren griechischen Namen völlig zu recht: Der Pflanzenvernichter! Und einen der es in sich hat: „Selten hat eine Pflanzenkrankheit so tief in das politische und soziale Leben eingegriffen…“ (Bärbel Schöber Butin). Die Rede ist von Phytophtora infestans - der Kraut- und Braunfäule der Kartoffel. Ihr sind Mitte des 19. Jahrhunderts weit über 1 Millionen Hungertote zuzuschreiben und noch heute werden die jährlichen Ernteverluste durch die Kartoffelfäule auf 5 Milliarden US $ geschätzt.
Bei Phytophtora handelt es sich um einen Zellulosepilz (Oomycet). Und wie ein Pilz bildet Phytophtora Sporen, Mycel und ernährt sich von organischer Substanz. Aber Phytophtora ist keine Pilz. Pilze haben haben ein Zellwand aus Chitin, dem Material aus dem das Außenskelett der Insekten besteht. Bei der Phytophtora besteht die Zellwand wie bei allen Pflanzen aus Zellulose. Die Phytophtora war also irgendwann in ihrer Evolution eine Pflanze, vermutlich eine Art Alge, die ihre Plastiden, als ihr Chlorophyll, verloren hat.
Die Gattung ist ein gefürchteter Pflanzenschädling und verursacht auch eine ganze Reihe von Krankheiten an Bäumen. So sind beispielsweise das Erlensterben (P. alni), die Tintenfleckenkrankheit der Marone (P. cambivora) und der Plötzliche Eichentod (P. ramorum) nur die bekanntesten Vertreter. Offensichtlich sind Phytophtora auch maßgeblich an der Buchenkomplexkrankheit beteiligt. Die Rosskastanie (Aesculus) wird häufig von Phytophtora befallen und dies dann fälschlicherweise für Pseudomonas, den Verursacher des `Kastaniensterben´ gehalten, da die Symptome zum Verwechseln ähnlich sind. Hier kann dann ein serologischer Schnelltest Klärung bringen. Diese Tests liefern zwar aus verschiedenen Gründen häufig ein falsch negatives Ergebnis und bestimmen auch nicht die Art der Phytophtora, sind aber im Feld nutzbar, schnell und preiswert. Weitere Test sind wünschenswert, da zuverlässiger aber leider nur in speziellen Labors durchzuführen und dadurch langwieriger, aufwändiger und viel viel teurer.

Diagnose
Meistens schädigen die Phytophtora zunächst die Feinwurzeln der Bäume, was zu unspezifischen Symptomen in der Krone führt. Kleine Blätter, gelbliche Blätter, vergreisen der Krone (oft nur halbseitig), also nichts was eine andere Krankheit oder einfach nur das Alter nicht auch mit sich bringt. Spezifischer sind dann schon Anomalien auf der Rind des Wurzelhalses (oft bei Eiche), auf dem Stamm oder gerne auch am Stammkopf (häufig Berg- und Spitzahorn, Linde). Diese Krebse können spontan auftreten, mal klein, mal großflächig oder sich über mehrere Jahre bilden, dann zu immer größeren, flammenförmige Rindennekrosen heranwachsen. Nicht selten wird als Ursache Wasseradern oder Blitzeinschlag vermutet.
Die ersten Symptome wurden dann wahrscheinlich übersehen: Leckstellen. Dabei tritt während der Vegetationsperiode meist eine rötliche, unangenehm riechende Flüssigkeit (Exsudat) an einer oder mehreren Stellen von Stamm oder im Bereich des Stammkopfes aus. Schneidet man im Bereich der frischen Leckstelle mit einem Splintholzmesser bis in das Splintholz, so ist der Bast orangerot verfärbt, das Kambium als gräulich braunen Streifen zu erkennen und manches Mal auch das Splintholz orangebraun.
Leider sind die Leckstellen oftmals so unscheinbar, daß, wenn man nicht danach sucht, das erste Symptom schnell übersieht. Das ist auch der Fall, wenn einzelnen Leckstellen zu schwarzen Flecken abtrocknen. Wenn große Flächen der schützenden Rinde zerstört sind, sorgen nachfolgende Schädlingen, dieses Mal echte Pilze, für eine ausgeprägte Weißfäule.
Offenbar öffnet die Phytophtora den nachfolgenden Weißfäule Erregern Tür und Tor, denn die Weißfäule breitet sich bei durch Phytophtora verursachten Rindennekrosen rasant im Holz aus. Ich habe beobachtet, das noch intakte, oberschenkeldicke Äste an einer befallenen Linde knapp zwei Jahre später so durchgefault waren, das man sie mit dem Fuß abtreten konnte. Diese rasant fortschreitende Weißfäule an mit Phytophtora befallenen Bäumen ist auch vom Erlensterben (Phytophtora alni) bekannt.
Darum: Sucht eure Bäume nach Flecken und Leckstellen ab! Denn, nach all dem Horror noch die gute Nachricht: Ist der Baum noch nicht zu stark geschädigt, kann Phytophtora behandelt werden!

Fortsetzung folgt im nächsten Beitrag.

auf Facebook teilen